Migradonna
 

Halime Kula ist „Migradonna 2019“



Bürgermeisterin Martina Rudowitz überreichte den Preis für ehrenamtliches Engagement,
der 2019 zum 12. Mal verliehen wurde. V.l.: Serap Güler, Halime Kula, Martina Rudowitz, Wanda Korfatny


Die achtköpfige Jury hat aus den vielfältigen Vorschlägen die Preisträgerin für den Ehrenamtspreis Migradonna 2019 gewählt. Am Abend des 27. September 2019 hat Bürgermeisterin Martina Rudowitz im städtischen Kulturraum „die flora“ die diesjährige Preisträgerin Halime Kula, eine Ehrenamtlerin aus dem Alfred-Zingler-Haus, vorgestellt und in einer warmherzigen Laudatio gewürdigt.

Zuvor hatte Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW die Festrede anlässlich der Preisverleihung gehalten und ihre Wertschätzung für das Ehrenamt und diesen einzigartigen Preis zum Ausdruck gebracht. „Menschen, die selbst eingewandert sind, haben eine wichtige Vorbildfunktion, wenn es um die Integration der Neuzugewanderten geht. Das vielfältige Engagement von Frauen mit Einwanderungsgeschichte ist für unsere Gesellschaft von unschätzbarem Wert. Oft sind sie in Bereichen aktiv, die nicht im öffentlichen Fokus stehen und wirken damit eher im Verborgenen. Mit dem Preis der Migradonna werden genau diese Frauen zu Recht ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.“

Der Preis für das Engagement, der Migradonna-Kubus, wurde auch in diesem Jahr von der Essener Künstlerin Wanda Korfatny gestaltet. Der Kubus will in seiner künstlerischen Gestaltung die Verbindung zwischen Stärke und Unbeirrbarkeit einerseits und weiblicher Vielgestaltigkeit, Vielschichtigkeit andererseits herstellen.

Im musikalischen Rahmenprogramm begeisterten die deutsch-iranische Musikerin Maryam Akhondy und der israelische Pianist Itai Sobol.

Schon zum 12. Mal verlieh das Internationale Frauencafé im Lalok Libre mit seinen Partner*innen den Preis an Frauen mit Migrationsgeschichte, die sich ehrenamtlich besonders für die Integration einsetzen. Seit diesem Jahr gehört zum Veranstalterkreis auch der Förderverein des Kommunalen Integrationszentrums. Seit Jahren dabei sind neben der Ehrenamtsagentur seitens der Stadt Gelsenkirchen: Gleichstellungsstelle, Kulturraum „die flora“, Referat Kultur und Referat Zuwanderung und Integration. Schirmherr ist Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen.


Lebenslauf von Halime Kula


Halime Kula wurde 1981 in Herne geboren und lebt seit ihrer Grundschulzeit in Gelsenkirchen-Hüllen. Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern im Alter von 7 und 14 Jahren. Ihre Kinder spielen bei ihrem Engagement eine zentrale Rolle, insbesondere der 7-jährige Sohn ist bei allen Aktivitäten mit dabei.

Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Sportangebot für ihren Sohn brachte die junge Mutter vor zwei Jahren in das Alfred-Zingler-Haus. Sie hatte in der Kita einen Aushang für eine Schnupperstunde im Alfred-Zingler-Haus entdeckt. Schnell fiel ihr auf, dass es dort eine Menge Arbeit gibt, die von niemandem erledigt werden konnte. Gedacht–Getan – sie begann auszuhelfen überall da, wo Hilfe gebraucht wurde.

Schnell wurde Halime Kula unverzichtbar. Sie übernahm die Eltern-Kind-Gruppe und die Verantwortung für die Falkenkinder, die regelmäßig im Alfred-Zingler-Haus sind; sie ist verantwortlich für die Tigers-Gruppe, unterstützt und begleitet die Hausaufgabenbetreuung, steht bei Festivitäten hinter der Theke, ist für die Kasse zuständig und vertritt immer diejenigen, die termin- oder krankheitsbedingt ausfallen, damit keine Kinder nach Hause geschickt werden müssen. Außerdem ist „Frau Halime“, wie die Kinder sie liebevoll nennen, die Frau der Zahlen und des Geldes: „Die Kasse ist wichtig für alle Gruppen, denn nur, wenn die Finanzen geregelt sind, können die Angebote laufen“.

Sie selbst beschreibt sich als Mädchen für alles, nicht, weil sie alles tun muss, sondern weil sie kann und will. Trotz eines fehlenden Wirbels hat die Deutsch-Türkin ein sehr starkes Rückgrat und kann als einzige Frau neben vier Männern im Haus-Team mit ihren Qualitäten und ihrer Persönlichkeit glänzen. Dabei, so sagt sie selbst, ist sie oft Freundin, Respektperson, Vater, Mutter und Lehrerin in einer Person.

Das Alfred-Zingler-Haus ist für Halime Kula und ihre Familie wie ein zweites Zuhause geworden. Ihr ist es wichtig, Gutes zu tun – und das macht sie seit etwa zwei Jahren, jeden Tag für acht Stunden völlig ehrenamtlich.

Neben ihrem Engagement im Alfred-Zingler-Haus betreut Halime Kula bei der Lebenshilfe Kinder mit Behinderungen. Dabei ist es ihr wichtig, diese auch ins Alfred-Zingler-Haus mitzunehmen, sodass sie gemeinsam mit allen anderen die Aktivitäten dort wahrnehmen können. Das ist ein toller Moment für alle Beteiligten und gelebte Inklusion. „Denn wir müssen wissen, uns alle kann es treffen, auch mich hat es getroffen und seit meiner Erkrankung und der Behinderung kann ich meiner eigentlichen Berufstätigkeit als Fachkraft im Gastgewerbe nicht mehr nachkommen. Aber ich wollte nicht zu Hause herumsitzen oder am Handy spielen.“ Dafür ist sie sich zu schade und natürlich erfüllt sie als zweifache Mutter und Teil dieser Gesellschaft eine Vorbildfunktion. Ihre Mutter sagte schon immer über sie, dass sie anders sei – und ja, das stimmt. Halime Kula ist eine besondere Gelsenkirchenerin und trägt mehr als verdient den Titel der Migradonna 2019.



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